Christliche Neben
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der Mensch soll sich zur Tugend gewöhnen, aberer soll sich nicht zu seiner Tugend gewöhnen,sich bessern, und doch nicht sich bessern — schonindem ichs sagen will, sage ich nichts, sage ichUnsinn.
Woher ist aber der Unsinn, wenn er Irrungward, meistens entstanden, als aus Eigensinn undStolz ? wenn sich vielleicht hier ein zur Frömmig-keit geneigtes Temperament, ein Charakter, denman für außerordentlich tugendhaft hielt, hervor-that: wie leicht wars, daß er sich nicht zum Ty-rannen , zum federnden Vorbilde der Nachahmungauch anderer aufwarf, die nicht von dem Charakter, vonder Blutsmifchung waren? und was mußte nunfolgen, als daß, statt daß jedweder die Tugend ineigene wirkliche Bestrebungen undThatigkeit hatte setzen sollen, daß nun alles aufdie Nachäffung fremder Formen, fremder Empfin-dungen, endlich gar der gleichgültigsten, widrig-sten Launen und Zufalle dieses Einen Charakters,dieser Einen Denkart gerieth. So wie diese mensch-liche Seele dachte und empfand, sollten alle den-ken , alle empfinden, und endlich wagte mans garim Ernst zu sagen, das melancholische, oder diesweichere, süßere Temperament, oder endlich garjene Hvpochcndrie, die sey für die Tugend dasEinzige, das Beste — arme andere Temperamente!arme hypochondrische Tugend selbst! Hat die guteSache der Moralität und guter Bestrebungen da-bei gewonnen oder verloren — verloren ohne alleRückrede! Wird einmal die menschliche Tugendaußer einer Wirksamkeit, die jedes Menschen Be-