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Christliche Reden
hat. — Das weiß Gott, Schöpfer und Richter,Herr und Zeuge. — Wer bistdu, daß dueines andern Knecht richtest? Ersteheoder falle seinem Herrn: sey nichtstolz, sondern fürchte dich rc.
Aber auf der andern Seite begreife ich auchnicht, wie dergleichen Veränderungen von Gestaltder Tugend uns wahre Zweifel oder gar Verzwei-feluug an der Tugend selbst geben könnten? Des-wegen weil verschiedene Völker der Erde sich anGestalt und Farbe und Sitten unterscheiden, istswohl jemand eingefallen, ein anders gefärbtes Ge-sicht, eine anders gewöhnte Gestalt, deswegen fürkein Mcnschengesicht, für keine Menschengestalt zuhalten? und wäre auch das, was würde uns hin-dern, uns nicht dafür zu halten, und uns ja,wenigstens nach unserm Sinn, menschlich einzurjch--ten. Laß also jedes Volk auf der Stufe stehen,auf der es steht: laß es entweder noch in einemZustande der Kindheit sich die ersten Begriffe vonRecht und Unrecht in schweren, aber desto schärferndeutlichcrn Tönen vorstammeln, oder schon zu ei-uem hohem Lichte, zu einer feinem Uebung seinerKräfte geführt, auch feiner und lichter sie anzn-wendcn haben. — Wir wissen auf welcher Stufew i r stehen, und was wir anzuwenden haben !Das ist uns genug! Wer, als ein Schwindelkopf,wird seinen Platz verlassen, weil er etwa einen an-dern sieht, von dem er glaubt , er werde den sei»nizcn kaum halten können? Wer, als ein Bene-belter, wird vor einem Hellen Milde der Tugend,
das