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Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
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107
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geachtet. Wenn hier die Unzucht für ein Lastergilt, so dort für eine Freiheit der Sitten, dortgar für einen Gottesdienst des Jupiters und derBonus? Wenn hier die Trunkenheit eine viehischeAusschweifung, so ist sie dort eine Probe der Ta-pferkeit und des männlichen We'ens. Hier dieKopfhangerei das Zeichen einer frommen Sinnlo-sigkeit, oder eines heiligen Betrugs, dort das offen-bare Merkmal der Kinder Gottes: hier haben die

Rasenden Tollhäuser, dort Tempel und AltäreWas ist Tugend? Was ist Gut und Böses? DasChamäleon ändert sich mit jeder Lage, mit jedemändernden Sonnenstrahl, und was bleibt unsendlich zur Bcurtheilung, als eigene Gestalt undFarbe, nach unserer Zeit, nach unfern Sitten,nach den Eindrücken unsers Elima, unserer Er-ziehung sind soll dies die Regel, die Richtschnurseyn, die ich über alle Nationen und Jahrhunderteder Erde ziehe, nach der ich alle Sonderbarkeiten,alle moralische Gestalten auf der Welt beurkheilerrkönnte? und wenn ich dies nicht kann"

Ja, antwortet der andere, du kannst nichtbloß, du sollst sie beunheilcn, und wenn du deinerTugend gewiß seyn, ihr mit Eifer der Uebcrzeugungnachstreben, und ihr Ehre machen willst, so mußtdu sie noch mehr! verdammen- Eine Tu-gend, Ein Recht und Unrecht kann cs doch nurgeben! Wenn das nun das deine ist, und du über-zeugt bist, daß es das ist, so ists deine Pflicht"

-Kurz wir sehen, daß er sich berechtiget und

gar verpflichtet glaubt, über alle, die nicht wie Er