Christliche Neben
ro6
das Urtheil des obersten Hausherrn der Welt an«kommt, unter sehr verschiedenen Gestalten, bei denfast entgegen gesetztesten äußerlichen Wirksamkeitennoch immer Tugend vor Gott möglich fty. Ec.leitet also das Urtheil seiner Christen auf die rech-ten Wege; wie weit sie von Tugend,Verdienst, Moralität anderer urthci-len könnten, und nicht sollten? undda das eben die Frage ist, worauf ich vorbereitete,so wollen wir auch jetzt einige Urtheile der Men-schen über die mancherlei Gestalten der Tugend prü-fen, und jeder von seiner Seite in uns unsereeigene Moralität und Treue, die wir beweisen sol-len, stärken.
i. Wir beurtheilen, wie die Korinther ihrenPaulus und Apollo, den Werth und Unwerlhaller Völker und Jahrhunderte derErde; daß cs geschehe, brauche ich nicht zu bewei-sen ; ob es aber recht geschehe? ob und wie cs ge-schehen solle? davon ist nun die Frage.
Es geschieht, wie gesagt, meistens auf zwie-fache Art, zweifelnd oder verdammend. Was ist(sagt man auf der einen Seite) Tugend? „Wasist Gut und Böses?, ein Wahnbild, was ja aufder Erde, mit jedem Himmelsstrich, mit jedemLande und Jahrhundert, mit den Sitten und Ge-bräuchen jeder Nation, fast mit jedem Grade vonMeilen wechselt! Wenn hier, sagt man, Dieb-stahl und Räuberei eine Sünde ist, so ists dort eineerlaubte Gewohnheit, dort gar der Belohnung werth