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Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
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Christliche Reden

spiele der Eifersucht, die über ein veruntreutesTuch entstund, alle Wuth und Lärm der Leiden-schaft dem Besitze des Tuchs zuschrieb, und alsofreilich vom ganzen Stücke nichts begriff. Nun,M- Z-, wenn also hier auf einmal ein Schauspielmenschlicher Seelen entdeckt wird, die bloß unterder Hülle von Körpern handeln, wenn es wahrist, daß bei aller unsrer Wirksamkeit mehr Ge-danke, Empfindung, Absicht, als die That selbstins Ganze verrechnet werde: wenn wir sehen, daßdie Empfindung und Voraussetzung hievon so tiefim menschlichen Herzen und allen Urtheilen undThatcn eigentlich zum Grunde lieget: so wird

eben an ibr der Grund gezeigt, warum auchjedweder Mensch so gerne Richterund Veurtheiler der Gedanken, derHandlungen des andern seyn mag,und in gewissen Betracht nicht anders, als seynkann. Der Menstch ist einmal ein Geschöpf, daskeine Handlung, keinen Vorfall bloß als ein hin-gcmahltes Gemahlde ansehen kann: ist seine Na-tur gesund, sind seine Kräfte und Neigungen,einmal wirksam und im Gange : im genauestenVerstände ist ihm alsdenn eine gleichgültige Hand-lung fast unmöglich: er muß überall, wo ersieht, auch urtheilen, lieben oder hassen, be-wundern oder verachten: er ist immer Richter undVeurtheiler fremder Handlungen, als ob er selbstdachte, selbst handelte

Als ob er selbst handelte! Daliegt nun aber gleich auch ein tiefer Quell zu fal-