Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen
 

und Ho Milien.

Sprache der Erkenntlichkeit und des Danks wirdihm auch so natürlich sevn und wehe überhauptdem thierischen unmenschlichen Herzen, dem eineWohlthat als Wohlthat bewiesen werden müßte,das einen Becher kaltes Wasser aus einem gutenHerzen dargercicht, einen kleinen Liebesdienst, deraber dem Geber wichtig ist, das eine Handlung derLiebe, der Freundschaft, der Eroßmukh, der Er-rettung nur nach Münze, Maas und Gewicht zuschätzen wüßte! Wehe dem Erdkloße von Men-schen, der jede Ehre und Schande nur nach Schlä-gen oder Vorthcilen, nach dem gröbsten Aeußcrli-chen des Vorlheils oder Nachthcils zu berechnenverstünde!-

Da es indessen im Ganzen nur wenig äußerstverdorbene Menschen der Art giebt; da doch jederin seinem Kreise, grob oder fein, weise oder thö-rigt, aus Absichten, und auf Absichten handelt,mithin immer gleichsam aus Seele in Seele wirkt:da es doch also nur eigentlich diese Gedanken, dieseEmpfindungen sind, die Menschen trennen und ge-sellen, sich einander machen lieben und hassen, ver-theidigen und verfolgen: so wird allerdings nundas ganze Gewebe menschlicher Handlungen eigent-lich ein Gewebe verschiedener Denk- und Wir-kuygsarten, verschiedener Empfindungen und See-len, und ein Blödsinniger, der es nicht dafür neh-me, der bei allem was geschieht, nur sehe daß,und nie warum? wozu es geschieht Bei al-len Auftritten des Menschlichen würde der so klugals jener Wilde bleiben, der bei einem Schau-