?s
Christliche Reden
Saamenkorn fallt nur immer oben hin, wie kann-eine kleine Stelle finden, wo es gedeihe? was istzwischen ihm und dem ehernen Boden gemein, aufdem es da so öde und traurig liegt? Und da derwartende Raubvogel des Himmels! Es ist vom Her-zen hinweg ! cs ist in seiner Gewalt! „daß sie nichtglauben und selig werden!"
Wenn irgendwo das so oft gemißbrauchte Wort„unter der Gewalt eines bösen Feindesst' eintrifft,so ists hier. Der Boden so hart; das Saamenkorndes Guten so unverscharret; jedem streichenden Raub-vogel offen; jedem ersten Anlaß zur völ-lige »Zerstreuung und Unterdrückungdes Guten bloß; keine Lust endlich, keine Lei-denschaft , kein hinreißender Gedanke, denen die ent-nervte Seele nicht Sclave seyn müßte; verkauftgleichsam, Böses zu thun! endlich auch selbstfast wider Willen sündigend, auch mit allem guic»Willen, des Guten unfähig; im traurigen Zustandewie unter der Gewalt eines fremden bösen Geistes.
Und daß hieraus nun, wenn irgend woher, dasunselige Gericht erfolgen könne, was man mit dem,auch so sehr mißverstandenen, Namen „Verstockung!Verhärtung!" nennt, sieht man, ist die natürlicheFolge. Es ist zuletzt der Zustand einer völligen mo-ralischen Ohnmacht, gleichsam Wegharte des Her-zens, und einer kalten langsamen Verzweiflung.Wenü durchaus jedes Gute, was man auch als sol-ches erkennet, und gern in sich aufnchmen wollte,aber nicht kann, den Zugang zu unserm Innernverloren hat: Wir müssen bleiben, wie wir sind,