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Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
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66
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LK

Christliche Reden

einen Unsinnigen halten, der, wenn er sich vordc-monstrircn ließe, wie schon und arrig und künstlichein Auge sieht, sich nun einbildete, selbst zu sehen,oder das Auge nicht nöthig zu haben das ist nunso bei allen Geschäften, Künsten und Wirksamkei-ten im gemeinen Leben; und bei der grö festenKunst, bei dem schwersten Geschäfte, beider fortgehendcn Wirksamkeit des ganzen Lebensnur da ists anders: da dünkt sich ein Mensch schonsehr weit gekommen zu seyn, wenn er das Schöne,das Vortrcfliche, das Rührende in einer guten Hand-lung, in einem schönen Charakter nur begrei-fen, empfinden, höchstens bewundern, da-von gerührt werden, darüber weinen kann, undnichts mehr. Da machen es Menschen zu einemtäglichen Geschäfte des Lebens, sich so rühren zulassen, zu empfinden, zu lesen, zu hören, anzu-schauen und dünken sich groß und dünken sichwirklich so gut, als die, die sie bewundern und em-pfinden.Sie sind doch empfindsame Herzen!Sie sind doch Menschen von feinem Gefühl, ibnenist doch Tugend und Laster so wenig gleichgültig!"Und dies Lob des empfindsamen Herzens, des fei-nen Gefühls ist fast das Einzige, das Höchste, wassich gewisse müßige Menschen in unserm weichen,müßigen Jahrhundert erstreben ein seltenes Lob!Als ob nicht der Bösewicht, wenn er vor der Schau-bühne seinen Bruder als Bösewicht in einer nied-rigen abscheulichen Handlung sähe, die E r außerder Bühne, von seiner Leidenschaft getrieben, selbstthäte nicht da über ihn zürnen und die Tugendloben werde, die er doch in seinem Leben selbst nichtliebet, nicht ausübek. Große Vorbilder also zu loben,