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Religion und Theologie Theil 3 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 1
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28
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Christliche Reden

Welt entgegensetzte, und nur glaubte, ein Weiservor Gott werden zu können, indem man ein Thorvor Menschen ward- Die Zeiten sind vorbei, daman lebendig gen Himmel fuhr, und auf der Erdezu wohnen vergaß, da man der menschlichen Gesell-schaft, und den Pflichten des Vaters, der Mutter,des Freundes, des Menschenfreundes entsagte, umnur in Zellen und Klöster, in Wüsten und Einöden,in den und jenen Kleidern, ein Heiliger! und auchleider nichts als ein Heiliger zu werden. Es ist jetztoffenbar, daß die christliche Religion eigentlich keinenStand mache oder aufgebe, und selbst die Sittenkeiner Lebensart eigentlich verändere; sondern nurüberall so geistig kindringe, daß sie allenthalbenWarme ausbreiten, in jedem Staude die Sittenreinigen, nach jedem Charakter das Herz veredelnkönne, ohne deswegen Stand und eigenthümlichcnCharakter im mindesten aufzuheben ! Es ist offenbar,daß man Gott auf der Welt nie mehr verherrlichenkönne, als wenn jeder in seinem Stande dem Rufder Vorsehung folgt, und sich auf dem Platze, aufwelchem er stehet, so ausbildet, so gut, so nützlich, sovollkommen, so glückselig zn machen sucht, als erkann: er wird ein Christ, dadurch, daß er Menschwird, und seiner Bestimmung von Gott treu bleibet.

Ist das nun, so sichet man das Geschäfte derReligion. Im Tempel Gottes freilich da tretenHerr und Knecht, König und Sklave, mit abgewvr-fener Krone und mit abgeworscncn Ketten, als Brü-der vor Einen Gott, und fühlen , oder solltens füh-len , daß sie Eines Geschlechts sind, Kinder EinesGottes, Bürger Eines Reichs , allcsammt Mittel inEiner Hand der Vorsehung allein wozu sollen