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Chri stlich e Reden
Zeit oft Gelegenheit zu haben, sich in einem Spiegelzu beschauen, was man vor Gestalt habe? welcherman sich vielleicht unvermerkt zubilde? und auf welcheArt man in die würdigere Fassung kommen könne,die uns fehlet? Und eben dieser Spiegel, M. Z.,ist die Religion Gottes! Da wirds Hauplpflicht desLehrers, Lehrer der Menschheit zu werden, von allenSeiten da er kann, jede Sünde als eine Verkehrt-heit und Häßlichkeit der Natur zu entlarven, undin jedem Guten, was Gott fordert, Drdnung undSchönheit und Glückseligkeit zu entwickeln. Es wirdPflicht des Lehrers, in jedem einzelnen Menschendie Stimme der eignen Wahrheit, das Bild derei gn en Anerkennung aufzuwecken, daß er sichselbst finde, es durch eine innere Anschauungfühle, wer ec sey ? und wer er hätte werden sollen?— Wenn, M. Z., diese Stimme nur Einmal lautgenug spricht, und wir das Glück haben, zu ihremGehör gezwungen zu werden: uncrzwungen und un-erpreßt wird sich alsdann jene göttliche Reue cinsin-den, die in den Folgen niemand gereuet. Dennach Gott! was ist in der großen Welt menschlicherDinge sür ein reuevollerer Blick, als auf ein ver-lornes Leben? auf etwas Versäumtes, das sich nichtmehr einholen laset? Die Menschen schmeicheln sichfreilich zwar mit dem süßen Traum des Einholen.s,des Bcssermachens; allein sie schmeicheln sich nurdamit, um ihren Aufschub, um ihre Trägheit zubeschönigen, und im Grunde ist dieser süße Traumder eitelste, elendeste von der Welt. Jedes Lebens-alter hat seine Kräfte und Pflichten und Bestim-mungen, die im beständigen Fortgange, im Wachsen,im- Weitcrstreben sind, die sich einander voraussetzcn