423
H. Vernunft
Verdienst harte Vorwürfe «gemacht sind. Die kriti-sche Philosophie geht hierin Hume'n nach, zu ei-nem Ziel, wohin er nicht wollte. Durch eine leicht-hingeworfene Behauptung *), „daß es zwei Sram-me menschlicher Erkenntnis, Sinnlichkeit und Ver-stand gebe, deren gemeinschaftliche Wurzel unbe-kannt sey," wird
IH. Ein Zwiespalt der menschlichen Natur
errichtet, in welchem nicht nur beide Stamme Wur-zellos als Trauergestalten dastehn, sondern auch derWeg ins Land andrer Zcrtbeilunqen, Widersprücheund Doppelgestalten ohn' Ende und Ziel gebahntwar. Z. B.
i. Spaltung der menschlichen Er-ke n n tn i ß kr afte. Schon die Grundfragen dieserPhilosophie, „wie komme ich zur Vorstellung irgendeines Objects? wie zu einer Erfahrung? wie ausErfahrungen zu einem System ?" zeigen den Geistder Spaltung, in welchem Hume Ursache undWirkung trennte. Da nun in dieser PhilosopbieAlles, mithin jede Erkcnntnißkraft eine Form a prioribekam, so entstand Noch über Noch, wie wiederumdiese Formen zu einander kommen mochten? d. l.wie die Sinnlichkeit Verstand, der Verstand Ver-nunft werde? Hatte z. E. der Taschen'picler Ver-stand aus seinem Kategoriecnbchaltniß Begriffe indie Gegenstände gespielet; urthcilen konnte er deshalbnoch nicht. Die Vernunft eben so wenig, die, wie
*) S. r. 2 g, 33. u. f.