Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 14 (1820) Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
426
Einzelbild herunterladen
 

II. Vernunft

426

Wort bei theoretischen Begriffen ganz außer Ort undStelle ist) sind Heischesatze; ein Name, denman den mathematischenFederungen" ungeschicktbeilegte, der aber den kritischen Postulaten gerechtist. Sie heischen, d. i. was sie erweisen nichtkönnen oder nicht wollen, wird trotzig erbettelt,und eben so trotzig a u fg e d r u n g en, als ob cskeines Beweises bedürfe. Das; mit dergleichen Po-stulaten alle wahre Philosophie verloren gehe, istdurch sich selbst klar. Sie fodern nur Eine Tugend:sey dreist! postulire!"

6. Allgemein, a l l g e m e i n g ü l t i g. DerMathematiker construirt seinen Triangel bescheidenfür sich selbst und für jeden, der mit ihm gleicheVernunft hat. Was er an ihm erweiset, ist nichtnur für diesen Triangel, sondern für jedes ihm ähn-liche Verhältniß erwirken; im Besondersten erweiseter allgemcingülkig das Allgemeine.

Der Philosoph kann seine allgemeinsten Begriffenicht anders constrniren , als im Besonder n,im Fe s t b est i m m t e n, wie ihm dazu allenthal-ben die Natur selbst den Weg zeiget. In ihren Ge-stalten , nach Individuen, Gattungen, Geschlechtern,nur im Besondcrn coustruirt sie das Allgemeine.Verliert man diesen Weg, und will jenseit aller Er-fahrung der Natur verschreiben, Gesetze geben,wie sie construiren solle: so bauet man ein Gebäudevom Dach herunter. Lehrsätze, mit Universalität,Allgemeingülrigkeit, absoluter Vollständigkeit u. f.ausgeschmückt, treten prächtig ans Licht, die aberlieber Lecrsätze, (Kenologie) heißen sollten, weilsie aufs Besondere zurückgesühct, nirgend gelten.