mit Brod und Wasser füttern. Es ist daher einPunkt delicatcr Führung unterscheiden zu kön-nen, und dies edle Talent mit Rücksicht auf dieVerschiedenheit der Personen und Zeiten zu fügen.Cicero verstand dies sehr wohl, wenn er an einenFreund in England schrieb: ,,Freue dich, daß du inGegenden gekommen bist, wo man dich für et-was hält." Denn, gerade heraus zu sprechen, esist doch immer eine fatale Mißlage, sich so übel ein-gerichtet zu haben, daß man in der Einen Gesell-schaft für einen Philosophen, in der andern für ei-nen Narren gilt; welches ich einigen Herren vonmeiner Bekanntschaft, als ein wohl zu beachtendesinwusncio, beflissen ans Herz lege."
„Das Gehirn in seiner natürlichen Lage undHeiterkeit disponirt seinen Eigenkhümer, sein Lebenordentlich foltzuleben, ohne sich den Gedanken an-kommen zu lassen, daß man seiner Macht, sei-ner Vernunft, seinen Visionen eine Menge an-drer unterwerfen müsse; ja je niehr ein Mensch seinenVerstand nach Mustern humaner Wissenschaft gestal-tet, desto weniger ist er geneigt, seinen Particular-notionen Parthei zu machen, weil eben jenes Stu-dium ibm sowohl seine eigne Schwache als die hart-näckige Unwissenheit des Pöbels zeiget. Geht abereines Mannes Phantasie mit seiner Vernunft durch,gerathen Einbildung und Sinne so auf einander,daß der gemeine Verstand sowohl als der gemeineSinn zur Thür hinausqeworfen werden: so ist dererste Proselpt, den er macht, Er selbst, und ist diesgeschehen, so ist die Schwierigkeit nicht groß, auchandre Proselytcn hinüberzukriegen; eine feste Berhö-