348 II. Vernunft
ihr selbst ist ihr dieser gegeben. Sie deirf da-mit nicht tändeln, oder sie ist keine Vernunft mehr;der Prototyp derselben ist Bestehen in sich,noth wendige Wabrheit. Eine beschränkte,aber keine mangelhafte Copic ist sie dieses Urtnpus:denn auch im kleinsten Wassertropsen spiegelt sich dieSonne als Sonne; der kleinste Cirkel ist seinemWesen nach Cirkel. Wer die reinste Idee der Ver-nunft für Phantasie erklärt, erklärt auch für Phan-tasie, daß 2 -j- 2 --- 4 sey; er gab die innereNethwendigkeit des Begriffs aus, der alle unsreIdeen bindet und festhält.
23 . Ein Wahn ists, daß die Idee von Gottden Forscher der Natur störe oder aufhaltc; willkühr-liche Wortidole, Phantasmen stören ihn, nicht aberder Begriff von absoluter, durch sich gegebner, noth-tvendigw Wahrheit. Lege diesen allenthalben zumGrunde; in jedem Daseyn suchend das lVlsxiruurrr-oder Muilnuiri seiner Beharrung, in jeder Kraft-außerung Verknüpfung der Ursache und Wirkung;du gehest nie irre. Der Begriff von Gott und sei-ner Einheit als einer reinen Vernunft-Ursache hatdie menschliche Vernunft aufgeklärt, und von denHefen der Phantasterei gereinigt. Er lehrte sie Ein-heit anerkennen, wo Einheit war, nokhwendige Ge-setze finden, wo sie sich ihr aufdrangen, d. i. allent-halben. Auf diesem Wege wird sie fortgehen, sichihrer selbst freuend als eines lebendigen Abdrucksjener großen Verknüpfung, mit dem Siegel inne-rer Noth Wendigkeit bezeichnet. Selbst diegaukelnde Phantasie wird sie zurcchcweisen ; denn dieseist doch nur ein Traum der Vernunft, ein Schatteder Wahrheit.