II. Vernunft
Du hast Recht, spricht die Vernunft, wied u dir Welt und Raum denkest, d. i. phantasirest.Welt ist dir ein Bilderhaus von unermeßlichem Um-fange; Umfang läßt sich immer erhöhen, immer er-weitern. Du darfst nie still stehen und sagen, „hierendet die Welt. Hier strecke ich meine Hand insLeere." Denn auch dies Leere ist eine möglicheWelt, wo etwas seyn kann. Raum ist dir ein
Bild, das du von Dingen um dich her, vielleichtaus der Anschauung deines Firmaments genommenhast, und als eine immer zu vergrößernde Weitemit dir umhertragest. Wie deine Dichter ihn dirfurchtbar-prächtig gemacht haben, so müssen deineeigne Schwingen zuletzt ermüden, wenn du ihrengroßen Maaßen im Unendlichen nachfliegcst *). Ver-folge diesen Flug; den Verstand aber störe mit deinenBildern nicht. Er fasset die Welt anders.
„Mir ist die Welk, spricht der Verstand, inGrenzen geschlossen."
Verstehe dich selbst, antwortet die Vernunft;auch dir ist die Welt ein Unübersehbares, aber volldasivender Dinge, voll wirkender Kräfte. An Jedesdieser Dinge legest du dein Maas, d. i. imUncrmessenen bestimmest du es nach deinem und sei-nem Ort, nach dem Umfang deiner und seinerKräfte. Allenthalben schaffest du dir ein Ganzes;«in All aber kennest du nicht. Totalität desWeltalls bedeutet dir Inbegriff, Umfas-sung mit deinen Gedanken, O rd nung (220-^5).
*) S. Hallers Gedicht von der Ewigkeit, stellen>»> Mitten, Peung u. s.