Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 14 (1820) Metakritik zur Kritik der reinen Vernunft
Entstehung
Seite
260
Einzelbild herunterladen
 

26t) n. Vernunft

nunft *); ein genaues Vernehmen alles dessen,"wasgehört werden soll, schließt das Wort Vernunft insich. Vernunft ziehet ihren Schluß also mitRichter-Strenge. Der erste Satz, den sie setzte,war ein Gesetz; der zweite war That oder Fall,die sie dem Gesetz unterstellt, und darauf einenSchluß fallet. Dieser Schluß heißt Bescheidoder Weisung. Vernunft ist unser höchstesGericht; von dem Verstände laßt sich an sie, vonihr in Bernunftsachen nicht an den Verstand appelli-ren; denn, um jene zu entscheiden, muß diesererst selbst Vernunft, d. i. ein strenger Vernetz-mer werden. Sein Amt war, den Richter mit dem,was Er verstanden hatte, zu unterrichten; dannwage und richte dieser. In der Vernunftsprache derMenschen hat also ein Ver nu nftsp ruc h oderAusspruch Gesetzeskraft; in diesem Gerichtshöfegiebts kein doppeltes Gesetzbuch, d. i. Antionomieenund Gegcnvernünfte. Vernunft (das erkennenalle) ist nur Eine, so wie zwischen zwei Punktennur Eine gerade Linie statt findet.

An dem, was zu lassen oder zu thunist, d. i. in praktischen Fallen mußte sich Vernunftalso zuerst erproben; hier rief Bedürfnis, oft schnelleNoch das Gericht zusammen , daß es vernähme undspräche. In verwickelten Fallen fand Ueberle-gung statt; noch genauer wurde erwogen, dieZunge der Waage oder ein Strich am Balken gab

*) Unvernunft hieß die Folter, da man eineAussage erpreßte.