2i)2 I. Verstand
die Frage um so weniger anflösen, als wir im Aner-kennen selbst immer ja nur diese verschiedene Fühl-barkeiten gleichsam b u c h sta b i r e n, d. i. trennenund zusammensetzen, um den Sinn der Schöpfungin ganzen Worten, d. i. in Objecten auszusprechcnund zu ordnen. Lasset uns in Proben sehen, wiesich beim Anerkennen des Verschiednenverschiebner Sinne der sich sichernde Ver-stand nehme.
Dem klarsten Sinn, dem Gesicht, trauet er amwenigsten : denn seine Gegenstände, Farben und Um-risse, sind ihm fern. Er hat sich an ihnen oft hin-tergangen gefunden, d. i. (da kein Sinn hintcrgchenkann,) zum Gebrauch dieses Sinnes, des Auges,werden so feine Regeln erfordert, ohne welche seinean sich höchst richtige Anwendbarkeit lei-det, daß der Verstand fast nicht vorsichtig genugseyn kann, durchs Auge zu erkennen und auszuspre-chcn : „das ist! das ist nicht! so ist es."Da im Gebiet dieses Sinnes der Gegenstand unsnicht nur entfernt ist, sondern auch zwei wo nichtmekr Medien, Luft und Licht, zwischen unsund ihn in die Mitte treten, da unser Auge selbstendlich ein so kunstreiches Organ ist, daß feine feinsteBewegbarkeiten uns noch hinter dem Schleier liegen;wie mancherlei Täuschungen können veranlaßt werden,in welche sich Auge, Medium und Gegenstand thei-len! Krankheiten oder Ermattungen des Organs,Verschiedenheiten der Luft und des Lichts, endlich dieBeschaffenheit und Stellung der Gegenstände selbstzeigen »ns eine Menge solcher Täuschungen, derenUrsachen die Physik und Mathematik angiebt, deren