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Religion und Theologie Theil 6 (1827) Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts ; 2
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129
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des Menschengeschlechts, r2g

Das zärtcre Geschlecht ist also auch das schamhaf-tere : mit der Scham hätte es Tugend, Reiz undAlles verloren.

Jede Entwickelung der menschlichen Lebensalterzeugt also von tiefer Wahrheit in dieser Geschichte.Dieselbe Umwälzung, die uns mit Scham kleidet,verändert unsere Stimme und giebt uns natürlicheFeigenblätter, die Decke der Zucht. Die großeMutter macht den Busen ihrer Tochter blühend undihre Wangen erröthen dem Jünglinge, zu dem sieein geheimes Band leitet, Der Zusammenhangdieser Triebe in Körper und Seele ist uns einRäthsel, er ist aber gewiß.

Wunder der Natur, du Engel am Paradiesemit dem Flammenschwerdte, heilige Scham! DerRuchlose läugnet dich, der Spötter verachtet dich,der Fühllose kennet dich nicht; denen allen bist du,wie jener Cherub, ein Mährchen. Dem gutenKinde aber, dem fühlbaren Geschöpf, der aufgcop-serten Unschuld, ihr bist du Gottes Kleinod undBote, Flamme seiner Gegenwart im Busen, dieHand des Vaters, die uns mit dem Finger derLiebe die Wangen berührt:Kind, du bist verlo-gen!" Können Engel mitleidige Freudenthcänenvergießen, so ists, wenn sie Verirrte und Liebendein diesem Hochzeitgewande sehen. Nicht mehrdas Liliengewand der Schwesterliebe; aber Kleid dererröthenden Rose.

Aber, wie kam das an dem Baume?" Wie?-Wenn jetzt denen in Sünde und Scham Empfange.

Herders Werke z.Rel.u.Tlievl. VI. I