Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 6 (1827) Aelteste Urkunde des Menschengeschlechts ; 2
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

Z4

Aelteste Urkunde

bezeichnete sie mit dem freiwilligen Wort ihresMundes. Sanfter Gebieter! Gott hatte sein Herzweich gemacht und mit einem Strahl der Liebe ge-rühret, daß er etwas suchte, was er nicht kannte,und also tief in der Art und dem Genüsse einesjeden da war. Milder König, er war nur im Pa-radiese ! Du lassest uns auffressen wie Schaafe undzerstreuest uns unter die Völker. Cs weiden unsHirten, die uns nicht kennen, die unsere Sprachenicht verstehen. Sie fressen uns und könnens nichtgenießen, zertreten uns und Wissens nicht mehr. DieAsche unserer Häupter ist ihnen Weihrauch, und dasGeschrei der Elenden Gesang ihres Ruhmes

Gott führte die Thiere zu ihm, daß er sienennete: das Wort des Vaters hatte seine Zungegelöset, jetz sollt' er sie an den Namen und Lautenseiner Erdbrüder bilden. Kannst du dir eine wer-dende Mcnschensprache besser denken, als sie hierward? Tonvoll, wie die lebendige Natur, und le-bend wie sie, und handlungsvoll und verschiedenund lenksam ein lebendiger Auszug der Thier-welt, kein Orkia xiotus, sondern V1VU8 in Ton,Stimme, Art, Geberdung. Das waren Funda-mente zur Menschcnsprachc über die Erde.

Auch hier wie einfach, milde und menschlich,im gewähltesten Zeitpunkt, ward die Sprache ge-bildet! Liebe schwebte Adam im Herzen; er sah al-so alles im einfachsten Gesichtspunkte, mit Bezie-hung auf sich und seine geheimen Wünsche. Sehn-sucht nach seinesgleichen zog die feinen Grundfädender ersten Sprache: wie brüderlich, zart und mensch-lich mußte sie werden! Alles liebte in ihr und ward