und Ho Milien. 347
Stunde hin gedacht und alsdann verflogen sev; son-dern meine Worte müssen im Gedächtnisse, und wasnoch mehr ist, im Herzen meiner Zuhörer leben. Ichbin verschiedentlich von meinen Zuhörern ersuchtworden, Predigten ihnen im Drucke zu liefern: ichhabe cS verbeten: nicht aus Furcht oder aus falscherBescheidenheit, sondern aus Grundsätzen. Predig-ten müssen gehalten seyn, sie müssen lcbenvig ge-faßt, sie müssen im Herzen und nicht auf dem Pa-piere bleiben, sic müssen ewigen Eindruck Nachlas-sen. Da verwahre man sie, da drücke man sie sichtief ein, das Wort, das in uns gepflanzt werdensoll, und Gott wird sein Gedeihen dazu geben. Wirwollen uns nicht daran gewöhnen, eine Predigt nachihrer Disposition so aus dem Gedächtnisse hersagenzu können, sondern wir wollen sie mit ganzem off-nem Herzen hören. Wir wollen uns den Eindrückenderselben überlassen, und sie auf dem Grunde un-srer Seele einpflanzcn: so werden sie bleiben undFrüchte tragen.
Und sollte ich nicht die Hoffnung haben, daßvon den vielen Blüthen, die ich gesehen, nicht auchin meiner Abwesenheit sich schöne Früchte zeigen soll-ten? — Dies, m. Z., ist die beste Art des Ge-dächtnisses, das ich Nachlasse, und des guten Anden-kens , das ich mir erbitte. Wenn sich eine Seeleetwa eines guten Wortes, einer Ermahnung, einesUnterrichtes, eines guten Rathes, einer Belehrung,eines Trostes von mir erinnert, wenn dies gute Wortalsdann vermögend wäre, sie etwa vom Entschlüssedes Bösen zurückzuhalten, die Liebe zum Guten inihr zu befestigen, oder Trost und Heiterkeit in ihr