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Christliche Neben
predigt tauben Ohren. Daher endlich, daß ich kei-ne liebere Anweisung habe geben können, als disMenschen zum wahren Genüsse ihres Lebens in al-ler Unschuld des Herzens, in aller Lauterkeit desGewissens, aber auch mit allen Anlagen und Zwe-cken und Fähigkeiten zu genießen, zu leiten: denndas ist doch einmal der Zweck Gottes über unserLeben. Wenn ich also eine Philosophie gepredigthabe, so war es immer eine Philosophie der Mensch-heit; ich redete ein Wort, um menschliche Seelenglücklich zu machen.
Darnach bestrebte ich mich auch, meinen äußer-lichen Vortrag zu bilden. Die denken wenigstensetwas zu klein von mir, die meine Predigten fürein Geklingel von schönen Worten nach Beifall derBeredsamkeit, für eine Kette von Gleichnissen, Bil-dern und Anspielungen, um eine halbe Stunde zudivertiren und ein Prediger von Geschmack zu hei-ßen, gehalten haben. So lange man noch nach ei-nem geistlichen Amte ringt, so mag ein solchesSchönthun, um zu gefallen, noch hingehen; abervon einem eingesetzten Prediger in seinem Amte ur-rheilt man immer ungerecht, wenn man ihm solcheAbsichten beimißt, die seinem Zwecke gerade entge-gen stehen. Was kann ihm doch das wohl für einLob seyn, wenn ein gähnender Zuhörer sich aus derKirchthüre drangt und ausruft: das war eine schö-ne Predigt! oder was kann seinem Zwecke hinderli-cher seyn, als wenn man die heilige Stunde, daman ihn hört, zu einem Divertissement seiner Ge-danken macht! Nichts in der Welt habe ich mehr