Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
319
Einzelbild herunterladen
 

Insonderheit versäume man dies nicht bei denReden Jesu. Die Reden dieses Gesalbten haben soviel Edles, Unschuldiges und Moralisches, daß, wennin den biblischen Büchern uns selbst die Wahl ge-lassen würde, wir wohl eine zusammenhängende Re-de Jesu höher als manches andre achten würden.Nur muß man sie, z. E. die Bergpredigt im Mat-thäus und die letzten Reden Jesu im Johannes,nicht abgerissen, sondern auf einmal ganz lesen undüberdenken und betrachten. Welche reine Begriffevon Gott sind da! Welche vortreffliche Sittcnlehre!Welche tiefe Einsicht in das menschliche Herz! wel-che unschuldige Seele blickt hervor! Welcher Eiferfür die Tugend! welche Demuth, sich selbst keinenNamen machen zu wollen! und welche Ergebenheitin den Willen Gottes, seine Lehre mit seinem Blutezu besiegeln! Nein! es hat nie ein Mensch ge-redet, wie dieser Mensch, und nie hat jemand durchsein ganzes Leben und durch seine letzten Stundendie Vortrefflichkcit seiner Religion so sehr bekräftigt,als Jesus, der Erstgeborne Gottes, der Heilandder Welt!

Würden wir dieses, m. Z., thun, wie würdenwir dann wohl Sprüche aus der Bibel hcrausreißcn,und oft in so einem Sinne anwenden, daß einemangst und bange werden muß? Welcher weltlich«Schriftsteller kann nicht äußerst gemißhandelt wer-den , wenn man einzelne Stellen aus ihrem Zusam-menhänge reißt, aus denen man machen kann, Dasman will, mißdeuten, verspotten, übel auSlegen,nachdem man dazu Lust hat?

Und sollte man nun auch im Zusammenhang«