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Christliche Reden
Altar zu legen. Es ist hier wohl die rechte Zeit zusagen, daß sowohl Kapitel als Verse gar nicht vonden ursprünglichen Verfassern der biblischen Bücherherrühren, sondern nur in einer sehr spaten Zeitund dazu von einem ehrlichen Bibellcser auf einerReise in seinem Postwagen verfertigt sind. Schadenur, daß sie auch wirklich so sehr nach der Postanssehen ! Schade, daß so oft mitten im Verse oderKapitel der Verstand abgebrochen ist, so daß, wennin manchen Hausern die Gewohnheit cingcführt ist,Gott täglich ein Kapitel oder einige Verse zu opfern,sehr oft zu befürchten steht, daß Gott mit einemhalben Opfer vorlieb nehmen müsse. Also lese manlieber seltner, und mit Verstände. Lies, mein lie-ber redlicher Christ, lieber für einmal ein ganzesbiblisches Buch, denn gar zu lang ist keines, durch,so wirst du in den Zusammenhang und Ton desScribenten und gleichsam in die Gedankenreihe sei-ner Seele cintreten, du wirst mit seinem Geiste be-seelt werden, und lesen wie er schrieb.— Und wokann ich dies mehr anrathcn, als bei den Briefender Apostel und bei den Reden Jesu. Die Briefeder Apostel sind, so wie alle Briefe, über gewissegeistliche Vorfallenheiten ihrer Gemeinen geschrieben,und also nicht anders als im Zusammenhänge zulesen. Wer sie zerstückt, wer sic kapitelweise liefet,wer den Verstand derselben trennt, der macht es so,als wenn er einen zusammenhängenden Text aufkleine Zettelchen schriebe, und sich es alsdann täg-lich zum Gewissen machte, eines, aber ohne allenZusammenhang, Zweck, Wahl und Ordnung zu lei-sen. Und wie wirb auf die Art die Bibel ver-stümmelt !