Christliche Rede»
eindringenden-Lichtstrahl zu empfangen, und jedeUeberzeugung ist unsre Herzen aufzunehmen. Als-dann werden wir, jeder nach seiner Denkart undLeseart, auch im Worte Gottes seinen Samen fin-den, zur Erbauung und Besserung unsrer Seelen,und so inne werden, daß diese Lehre von Gottkommt.
H. Gott hak es für gut befunden, außer demLichte der Vernunft und außer der Stimme, die unsin allen Ereaturen zuruft, eine deutliche und be-stimmte Stimme hören zu lassen, die uns lehre,was Gott und wir sind, uns unser Verhallniß ge-gen ihn zeige, uns zu allem Guten ermuntce, unsmit uns selbst bekannt mache, und insonderheit unSüber die Unsterblichkeit der Seele Licht gebe. Wennauch unsre Vernunft viele Wahrheiten von diesenwüsste, so waren sie doch nicht mit solcher Gewiß-heit und Zuverlässigkeit, ain allermeisten aber nichtso unverfälscht und bleibend, daß sie ein Schatz desMenschengeschlechts hakten seyn können. Nur garzu bald wurden sie verdunkelt: die reinsten Begriffevon Gott wurden in der Seele des gemeinen Man-nes die ärgste» Begriffe der Abgötterei; die reinstenBegriffe vom Menschen und von seiner Pflicht inder Seele des Lasterhaften selbst zu Laster, zu Un-tugend. Aus eben dem Grunde also, daß weltlicheGesetze nöthig wurden, ward auch ein Gesetz derGottesfurcht und Tugend noch ungemein nöthiger.Die Gottheit nahm sich unser an ; sie ließ unter ih-rer gnädigen Aufsicht und Lenkung die Regel unscrSGlaubens und Lebens verfassen: und siehe, das istunsre Bibel!