2>D1 Christliche Reden
im gemeinschaftlichen Bande der Liebe und Freund-schaft liegt.
Und eben dazu ist nach christlichen Gesehen dasBand unauflöslich. Denn zwei Personen geben ein-ander nicht nur was sie haben, sondern was siesind; sie werden Eins, Ein Leib und Geist; sie wer-den in ihrem Lebenszwecke, in ihrem Geschlechte,Familie Eins, sie wehen als zwei Flammen zusam-men, die nur Ein Licht, Eine Flamme bilden.
Wie dies nun ausgemacht das wichtigste Bandist, das sich in der menschlichen Gesellschaft findet,so sind die gegenwärtigen Umstande dieses Brautpaarsvon der Art, daß sie natürlich die Wünsche freund-schaftlicher und theilnehmender Seelen von selbst nochmehr Hervorrufen und beflügeln.
Die Eltern der Braut geben ihre Tochter, derVater die Liebe und das Kleinod seines Herzens ausseinen Armen in ein fremdes Land, wohin er sieNur mit seinen Gedanken, mit seinen regesten Wün-schen begleiten kann, und gewiß daselbst oft mit sei-nen Gedanken aufsuchen wird. Eine Familie laßtihre wahre Zierde, Geschwister und Freunde ihreSchwester und Freundin, in die Fremde übers Meerziehen; und cs ist wohl kein Zweifel, daß dieseStunde, die ein glückliches Eheband knüpft, auchunsrer Stadt und dem Kreise derer, die sie naherkannten, eine Blume ihrer Art, einen Gegenstandihrer Hochachtung, Liebe und Freundschaft raubet.Sie folgt ihrem Geliebten in ein fremdes Land, indie Nation einer andern Sprache, mit sanfter undfester Entschlossenheit, mit Liebe und Ergebung. Sie