Christliche Reden und Homilicn. 289
bewegungcn und Eigenschaften Anthcil zu nehmen,sich daran zu erfreuen, sic zu bessern, sie zu lenkenund mitzurragen, und gleichsam einen gemeinschaft-lichen Baum zu bilden, der zur Glückseligkeit seinesinner» Genusses, zur Freude der Seinigen, zumWehle der Familie und des Geschlechts, zur Glück-seligkeit und zum Nutzen der Welt Früchte trage.Zwei menschliche Leben, wie zwei Bache, fließenzusammen, um einen gemeinschaftlichen Strom zubilden, der zwischen gemeinschaftlichen Usern mit ver-einter Kraft fortfließe, alle kleinen Hindernisse desLebens überwinde, und den besten Genuß menschli-cher Seelen, Eintracht, Ruhm, Freundschaft undFriede, einen sanften Foctfluß des Lebens in sichselbst finde. —
Die Ehe ist im Paradiese gestiftet, und einSegen des Paradieses soll auch ihr Lohn und.ein'göttliches Creditiv seyn. — Dieses beruht, wie al-les wahre Göttliche, nur in menschlichen Gcmü-thern, es beruht im Glücke der innigen und zartenFreundschaft. Daß zwei Seelen fühlen, daß sie füreinander geschaffen wurden, daß sie auf ihre gegen-seitige Redlichkeit, Güte, Treue und Freundschastbauen, daß Einer des Andern Zweck des Lebensauch zu dem seinigen mache und sich der Wohlfahrtdesselben aufopfere; daß er dem Andern zuvorkom-me und fein eigen Glück nur im Glücke des Andernfinde; ihm die Bürde nicht nur tragen helfe, son-dern ihn auch mit seinem Daseyn starke, daß er siefröhlich und leicht trage. Dies war der Zweck undSegen des Schöpfers, der auch in der Sache selbst,
Herders Werkel, Re.l. u, The»K IV, T