198 Christliche Reden
Warum muß man über den Charakter und über die Ge-schicklichkeit Anderer nicht schnell aburthcilen?
Weil zu diesem Urtheile, wenn es richtig fernsoll, eine genaue Kenntniß gehört, und es Leichtsinnoder Anmaaßung verrakh, Menschen auf den erstenBlick zu beurrheilen. Auch thut man vielen dadurchUnrecht und benimmt sich selbst die Gelegenheit, ver-kannte Geschicklichkeiten zu gebrauchen und abgeur-thcilte Charaktere kennen zu lernen.
Muß ein Fürst insonderheit in seinen Urlheilen vorsich-tig seyn?
Vorsichtig, weil sein Unheil viel gilt, und esunedel ist, einem Unschuldigen durch ein ausgespro-chenes Wort zu schaden.
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Warum muß das Mein und Dein, d. i. der Besitz desEigenthums in der menschlichen Gesellschaft dem Eigen-thümer ungestört bleiben?
Weil Menschen sonst Raubthiere werden, wennstatt der Gerechtigkeit Gewalt Antritt
Was rüstet sich gewöhnlich gegen die unrechtmäßige Ge-walt , um ihr das Gegengewicht zu leisten?Betrug und List. Niemanden bleibet sodannsein Eigenthum sicher.
Wenn die Obrigkeit also alles Eigenlhum schützt, wel-chen Erwerb soll sie verhindern?
Jeden unrechtmäßigen oder betrügerischen Er-werb. Sie ist das Auge der Gerechtigkeit für Alle.
Welchen Erwerb soll sie auf alle Art befördern?Den rechtmäßigen und nützlichen. Dadurch er-