Christliche Reden
-46
fafsung je schaffen kann. Sobald sich ein Fürst alsVater des Volks suhlet, wird er eben die Treue,die uneigennützige Liebe und Großmuth gegen seinLand haben, die ein Vater seinem Geschlechts er-weiset. Gern und aus innerer Neigung wird ersich demselben aufopfern, und alle Mühe überneh-men, die ein Vater so gern übernimmt, um dieGlückseligkeit der Seinen als die schönste Blüthe sei-nes Daseyns zu befördern. Sobald Unterlhanenkindliche Ehrfurcht gegen ihren Fürsten haben, wirdder Gehorsam von selbst folgen. Aus Liebe und Zu-trauen zu ihm werden sie auch schwere Pflichtengern übernehmen: sein Befehl wird ihnen seyn wiedie Stimme eines Vaters, der das Kind glaubt,wenn cs auch nicht allemal die Gründe des Befehlseinsähe. Es bescheidct sich, daß es sie nicht allemaleinschen könne, sie aber in der Zukunft an seinemeignen Wohle erfahren werde, und so wird es durchdiesen zutrauenden Gehorsam geschäftig und glücklich.
Ueberall also, >vo wir auch bei Völkern hie undda Züge der ursprünglichen ValerMcgierung wieder-kommen sehen, kamen immer auch Neste der erstengoldenen Zeit wiede-. Der Vater seines Volks ehrtedie väterlichen Rechte in jedem Geschlechts; denn erwußte, daß seine eigne schönste Gewalt nur auf ih-nen beruhe. Er suchte überall häusliche Glückselig-keit zu stiften, weil er überzeugt war, daß damitdie Glückseligkeit des Ganzen, das nur in einzelnenFamilien besteht, sich bilde. Gesundheit also undzufriedene Wirksamkeit seiner Unterthanen, inson-derheit die gute Erziehung derselben von Kindheitauf war ihm das wichtigste Augenmerk: denn sind