Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

Christliche Reden

Ja, ich hoffe es, und jeder Gute hofft cs undjeder Gute, Fürst oder Weiser, arbeitet darauf auchin unser» Zeiten, daß einst eine besire glücklichereZeit kommen möge! Eine Zeit, da die Einsichten,womit sich jetzt todte Bücher schmücken, die aberjeder anerkennet und lobpreiset da diese Einsich-ten ersprießliche Thaten werden! Mich dünkt,ich sehe diese glückliche Zeit voraus! Ich sehe Men-schen, ich sehe Fürsten aufstchen, die bestrebsamsind, zum schönsten Guten auch den leichtesten Wegzu wählen, und die Borurthcile adzuwecsen, diejetzt noch so oft ihren erhabenen Stand als eineBürde drücken, als ein Nebel umgeben. Die Mensch-heit wird aufwachcn und zu sich sagen: welche

Schatten haben uns verführt! in welchen Wahn vonVorzügen und Blendwerken setzten wir einst Fürsten-Würde! Und das einzige Gott-gleiche Vergnügen,Kräfte der Menschen zu wecken, ihr Gefühl derFreiheit rege zu machen, ihr Wohl durch eigneWirksamkeit zu erweitern diese Sonne, die unsso nahe war, har uns nicht erwärmet! Wir wähn-ten, daß Regierung ein Joch, eine Bürde seynmüsse! daß Gesetze nur einschränkend, verbietend,drohend, strafend seyn könnten, da doch alle GesetzeGottes in der Natur von einer andern Art sino,nemlich Kräfte weckend, ausmunternd, lockend, be-lohnend! Die gepriesenste Leidenschaft, das blen-dendste Vorrecht, waren sie eines Fürsten wcrch,sobald sie ihn von diesem seinem einzigen Gottähn-lichcn Zwecke abführten, und ihm ein anderes In-teresse, ein anderes Wohlseyn gaben, als dies: inseinen Unterthanen , als Menschen , als seinen Kin-dern glücklich zu leben? Glückliche Zeiten, da man