zo2 Christliche Reden
zur Blume entfaltet. Der Himmel ist sa für Kin-der: Kinder müssen wir alle werden, wenn wirihn erlangen und genießen wollen; wie sollte eralso nicht für die seyn, die gleichsam seine Einge,bornen, die früher Vollendeten sind, die er selbst er-zogen und gebildet. Sie sind Jungfrauen und fol-gen dem Lamm nach; als unschuldige Lämmerweiden sie auf den schonen Auen des Paradieses.
Auch Heiden haben daher schon einen frühenTod für eine Wohlihat der Götter gehalten; undmich dünkt, der nähere Anblick derer, die desselbengewürdigt werden, zeige es oft herzeindrücklich undrührend. Wenn wir gewahr werden, daß dies Kindmit seiner zartem Bildung, mit seinem feinemGeiste, ausdrücklich nicht für diese Erde gemachtschien; war's nicht Liebe Gottes, die's also bildete,und die zartere Blume sogleich für seinen Gartenbestimmte?
DieserMann, dieser Jüngling, der mit seinemFeuer, mit seinem Geiste höherer Abkunft, in we-nig Jahren viel empfand, viel trug, viel lebte:ists nicht wahre Wohlthat für ihn, wenn ihn derhimmlische Vater vom harten Gesetz losspricht, dieHefen des Alters zu trinken, und in vielen Iah,ren noch einmal wenig zu leben? Das höhereFeuer, das in ihm wallt und seine Hülle verzehrt,bereitet ihm selbst den Flammenwagen, der ihnHühe gen Himmel tragen soll, und Gott kommtseiner Bitte zuvor: „cs ist genug, nimm Herr,meine Seele!" L du aller Menschen Vater! allerMenschen theilnehmender Versorger! wie sparest duuns die Tritte aus, mit denen wir zu dir kommen,