g6 Christliche Reden
drehen uns mit ihr. Berge zerfallen, und Zedernsterben, die schönste Blume verwelkt, die süßesteFrucht vermodert: nichts auf ihr ist unvergänglich.Und unser armer Körper sollt's seyn, die nichtigeHülle, nur aus Staub gebildet? unser armes Lebensollt's seyn, das welke Gras, die zerfallende Blu-ms ? Ein Wunsch, eine Erdenhoffnung sollt's seyn,die hier ein ewiges Paradies suchte und fände? Nein !die süßesten Wünsche des Lebens sind mit uns sterb-lich, ja sie sind sterblicher, als wir selbst sind, we-nige Jahre, wenige Schritte weiter, und wir sindsie, oder sie uns vorüber.
Aber, o Mensch, erhebe deinen Blick gen Him-mel, da ist ein freierer Raum, eine höhere Hoff-nung ! Die Erde, auf der du wohnst, ist einhimmlischer Stern, mit unzähligen andern Sternenin Wirkung, in Verbindung, in Einem harmoni-schen Einklang. Sie empfangt von andern Licht,Kraft, Leben: sie wirkt auf andre, und wir sollennicht mit ihr wirken, und weiter streben? Wirsollten, in sie cingeschlossen, auf ihrem Staube ver-wesen, als ob dieses Staubkorn die ganze Schöpfungwäre? Nein, ich wohne in einem armen Winkelder Schöpfung; aber auch in diesem Winkel strömtmir täglich aus allen Sternen und Sonnen Lichtzu. Jede Nacht seh ich am Himmel das Buch derUnsterblichkeit aufgeschlagen, seine Schrift ist mitGottes Finger geschrieben : Sterile sind seine Schrift,harmonische Welten sind die Buchstaben meinesSchicksals. Alle in einem Zusammenhänge gehn sie,und wandeln ihren erhabnen Gang; ick wandle mit
ih-