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Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
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70 Christliche Reden

leben, und jedes kleinste Thcil zu einer einzelnenZahl seiner Gedankensumme, zu einem so besyndernGanzen zu machen, als ob dies das Einzige wäre,das er zu bilden, dem er sich mitzutheilen hatte.Die Lehre oder der Traum einiger Volker, von ei-nem besonder» Schutzgcist, der einem Menschen imersten Augenblick seines Werdens mitgetheilt sey,oder von der Seele, die sich im Mutterleibs ihrenKörper selbst gebildet, ist nur hieraus entstanden,und hat ursprünglich wohl nichts als Ausdruck derunendlichen Bestimmtheit und einzelnen Weisheit,Liebe und Ausammcnordnung seyn sollen, die jedesGeschöpf im Kleinen und Großen, im Aenßern undInnern, nennbar und unnennbar an sich traget.Unendlicher, du wärest über mir in Mutterleibs, duschufest was ich vor oder nach lhun sollte, »nd lie-ßest dich in mich herab und wurdest die Seele mei-ner Seele, das Herz meines Herzens. Du hastmich bereitet, was ich um und an bin und erfor-schest und prüfest mein Herz bis auf die fernsteGrenze seiner Macht und Ohnmacht-

Solches Erkenntniß ist uns freilich zu wunder-bar und zu hoch, wir könnens nicht begreifen: es

ist indeß, wie alle Gottes-Wahrheit, einziger Quellder Nichtigkeit und Ruhe unsres Lebens. Wehe demMenschen, der mit seinem Schöpfer hadert, demdieser Theil seiner Bildung, jene Mischung seinerKräfte und Neigungen, dieser Zweck, jene Absichtmisfallt, die Gott bei seiner Bestimmung auf Er-den hatte! Er miskennet und verachtet und ver-säumt sich, und hasset und beneidet, zerstückct und be-raubet andere sehr unglücklich. Indem er das Gute un-gebraucht laßt, was Gott ihm gab, und dem nächst«-