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Christliche Reden
der Gott die Knospe eines menschlichen Baums inihrem Anfänge geformt Hot. So unterhaltend dieseNachforschung seyn mag, so unendlich ist sie, undkann endlich den grübelnsten Forscher so weit ver-leiten, daß, wenn er ewig untersucht hat, wie Gottalle Herzen und Gehirne bildet, er am wenigstendaran gedacht hat, wie und wozu er denn das Sei-nige geformt und gebildet haben mag. Die Weis-heit der alten Zeit war nicht so grübelnd und unend-lich, sondern enger und desto tiefer in sich selbst zu-rückkehrend. Sie wollte nicht hinter den VorhangGottes lauschen, und aufdecken, was er aus zartemschonendem Herzen mit heiliger Nacht bedeckt hat;sie erfreute sich desto mehr an dem, was Gott insLicht stellt, und suchte den Geist zu fühlen, derüber jedem seiner unendlichen Werke, als ob cSdas einzige wäre, mit einzelner Lebenskraft, Güteund Weisheit, mit einem Meer einzelner kostlich.rGedanken schwebet. Der Betende dieses Psalmsfühlt, daß Gott ihn durchdringt, ihm in das Tief-ste seiner Seele schaue: seine Hand halte ihn um-schlossen, weil er ihn, mit aller einzelnen Bestimmt-heit aufs ganze Leben, zum voraus überdacht undgebildet. Und . so soll auch das Herz, das seineHand halt, nicht daraus weichen, keiner der Ge-danken sich vor dem Urlicht des Schöpfers versteckenwollen, sondern in dem Wege bleiben, den derBestimmer seines Lebens ihm vorzeichneke. DasGefühl und diese Betrachtung ists auch, die unsdiese ganze Lehre menschlich und anwendbar macht.Nur durch sie werden wir uns selbst ehrwürdig undlieb und heilig: unser Daseyn die Spur eines lie-benden Meisters, unsre einzelne Bestimmung eine