^3 Christliche Reden
zu der Zeit, du er den süßesten Trank zu schmeckenglaubte. „Ist auch ein Unglück in der Stadt, dasder Herr nicht thue?" Ist ein harter Fall aufdem Wege unsers Schicksals, der nicht aus seinerHand käme? Schuf er nicht unser Herz, und mischteden Brunn .unserer Empfindungen in demselben?Schuf er nicht unser Äuge, daß cS sich sowohlin Freude- als Trauerlhranen ergießen, sich so-wohl am Licht der schönen Sonne erfreuen, alsam Antlitz eines geliebten Tobten betrüben könnte?Wer senkte die Empfindungen in unsre Brust, mitdenen wir aus solche cdec solche Art freudig odertraurig an den Dingen und Schicksalen der WeltTheil nehmen sollten ? Wer knüpfte die Bande desLebens, die uns oft mit bösen, oft mit guten Men-schen zusammenbringen, jetzt an Gegenden der Trau-rigkeit, jetzt der Freude fesseln sollten? Wer machtehier alles Glück auf der Erde vergänglich, und auchdie reinsten Freuden oft zum Quell des bitterstenWehes?
Nein, unsre Erde ist nicht ein Paradies, keinHaus der stolzen ewigen Ruhe, des immer unge-krankten, ungestörten Friedens! Thronen fließenauf ihr sowohl der Freude als des Leidens, und diereinsten, verschwiegensten sind oft die bittersten Thro-nen. Die Mutter, die ihr Kind verliert, den Sohnihrer Hoffnung, die Freude ihrer höhern Tage: dasGeliebte, das sich hier wie im Schattengange einesLabyrinthes findet, um sich bald, um sich unver-muthct trennen zu müssen, jeder Riß von unfernHerzen, wenn wir einen Freund, ein Glück unsererTage, eine Hoffnung unserer reinsten Wünsche ver-lieren, jeder Umsturz unserer Ruhe und Zufrieden-heit,