Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

und Homilien.

8s

ich nicht mit dankbar bewegtem Herzen fühlen?Und dies lebhafte Gefühl, das meine Seele durch-bringt, sollte ich, wenn auch nur mit einem Seuf-zer, Gedanken meinem Vater nicht gestehen?Und wenn ichs ihm gestehe, bete ich dann nicht?O es hieße die natürliche und billige Regung desHerzens verleugnen, wenn man auf die Art nichtbeten wollte?

Wie nun ferner? Das Gute in meiner Zu-kunft hangt das nicht ebenfalls auch von diesemVater ab? Muß er nicht allem, was Kinder hei-ßet, sein Schicksal bestimmen? und alsoauch mir? und wenn ich mir nun in der Zukunftdas Gute wünsche, wie nicht auch von ihm, demVater, der es mir geben kann? und heißt das nichtbeten? Ware es nicht im höchsten Grade wider-sprechend, mir Gutes zu wünschen, zu ver-langen, aber nicht von dem, der es mir einziggeben kann? Ist es nicht die höchste Verbind-lichkeit, und doch nur immer die schlechteste, daßich mich a» meinen Wohlthater und Vater erinnere?kindlich erinnere, daß ich unter ihm stehe? kindlichbekenne, daß ich ohne ihn nichts Gutes habe undbin? kindlich von ihm Segen, Schutz, Beistandmir wünsche? kindlich hoffe, daß er mir meinenWunsch erfülle, wenn er nicht seiner väterlichenGüte und Weisheit und Rath widerspricht?Und heißt das nicht beten? Und wird mir da dasBeten zur Pflicht? zum Gesetz? zum sauren Got-tesdienst, womit ich mir den Himmel erwerben will?Nichts weniger! das kindliche Gefühl meines Hec-

C 2