Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 4 (1826) Christliche Reden und Homilien ; 2
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

32

Christliche Reden

vielleicht der redliche Heide den Gott der Göt-ter: und der entzückte Wilde fällt bei dem Aufgangder Sonne vor dir hin. Indem ich meine Knieevor dir beuge, so umfaßt ein David vielleicht denAltar seines Jehovah und der Seraph an dei-nem Throne deckt sein Antlitz vor dir!

Welch ein Begriff von Gott, indem ich ihnmir also denke! Welch eine Erhebung der Seele,wenn ich zum Vater der Geister und der Menschenbete. Wie werde ich diesem höchsten Gott, diesemallgemeinen Vater, cs wagen, niedrige Anstnnun-gen zu thun! ihn für mich, wider ein ande-res Geschöpf einnehmen zu wollen, das viel-leicht bester vor ihm ist, als ich selbst?. Wie werdeichs wagen, andre vor dir mit heiligem Eiferzu verfolgen, zu verdammen, und deine gleich-müthige Güte, allerhöchstes, ewiges, auch inseiner Güte und Menschenfreundlichkeit unverän-derliches Wesen, gegen sie anfzubringcn? Wiees wagen, auch nur mit irgend einer menschenfeind-lichen Bitte, mit irgend einem Wunsch zum Scha-den des andern, mit irgend einem nieder-trächtigen Ansuchen vor dich zu kommen?So niederträchtig zu seyn, dich mit Gelübdenzu erkaufen, mit kindischen Geschenken undVersprechungen zu bestechen, daß du meine Partheigegen andre nehmest. Nein, du bist Vater überalles was Kinder heißt, und eben von dir lerne ichden höchsten Begriff von Menschen freundlich-keit und allgemeiner Güte. Wenn ich alsoselbst Menschen geliebt habe, welche mich mit ihrer

Freund-