352 Herders Leben.
majestätischer Geist von Loda, der in Nebeln dahinzieht; ich mag ihn nicht beschwören, ich braucheSonnenschein; erzählen Sie mir das Vortreffliche,das gewiß in dem Buche steht." — Herder wie-derum, erwies, wenn man von Engel zu ihmredete, ihm eben so viel Gerechtigkeit; doch sagteer einmal zu Merkel: lesen mag ich ihn nicht! —Recht hat er immer, aber ich weiß bey der drittenSeite schon, was er auf der zwanzigsten sehr schönbeweisen wird. Mir ist cs nur um die Wahrheitzu thun; ich kann sie nicht schnell und nakt genugerhalten, und Engel giebk sie durchaus nicht eherher, als bis er ihr ein Kopfzeug aufgesetzt hat." —So mußten sie einander wohl beurtheilen: denn
Herdern wurden die Wahrheiten von seinem Genie,ohne Grübeln, gleichsam gevffenbart; daher stellte ersie auf, wie sie ihm erschienen waren, in üppigpoetischen Bildern, und zwar immer nur Resultate,nicht die Schlüsse, die zu denselben führten. Engelhingegen brachte sie durch die Anstrengung seines Ver-standes , durch scharfsinniges Nachdenken heraus:daher führte er auch den Leser den Weg, den erselbst gegangen war, gab ihm die ganze Leitervon Schlußfolgcn und ließ ihn dieselbe an seinerHand hinan klimmen. Persönlich kannten Herderund Engel sich nicht. —
In den „Fr a g m e n tc n a u s dem Nach-lasse eines jungen Physikers r. Thl. Hei-delberg r8ro" erzählt der geistvolle I. W. Ritter,wie er im Herder'schcn Hause zu Weimar im Jahr1801 bekannt wurde, und giebt bei) dieser Gele-genheit