Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 16 (1822) Herders Leben
Entstehung
Seite
344
Einzelbild herunterladen
 

Herders Leben.

3-i4

Seine Neigung, den vrganisirenden Kräften inder Natur nachzuspüren, um die Gesetze ihres wir-kenden Geistes zu erforschen, wurde durch die neuereEntdeckung des Galvanismus, den er sich durch sei-nen Freund I. W. Ritter erklären ließ, durchWerners geognostischcs System, durch die nochzu erwartenden Aufschlüsse über Elektricitat,Magnetismus, und Doktor Galls Schädel - Lehre,so wie durch alles, was ihm aus der Physik undPhysiologie von Camper, Sömmering u. a. zukam,immer mehr erhöht, und er wünschte manchmal erstjetzo gebobren zu seyn, um die Resultate dieser Ent,dcckungen noch erleben zu können. Sehr richtig undfür unsre Zeit noch belehrend konnte er zuweilen sa-gen :Die Fortschritte des menschlichen Geistes in

Wissenschaft und Erfindungen haben uns das hel-lere und gewissere Licht gebracht; auf diesemWege müssen wir den großen Bau weiter führenund für unsre Erkenntnlß der großen Natur-GesetzeGewißheit und Wahrheit suchen. Wir bedürfen derDämmerung voriger Jahrhunderte nichtmehr" (wohin uns eine Parlhey politischer Mystikerneuerer Zeit, so gerne zurückbringen möchte!) undin dieser Beziehung auf die Fortschritte in der Er-kenntniß der Natur und des Menschen, hielt er diekrüischc Philosophie für die schädlichste Verderberin,welche die Erfahrung und Beobachtung herabwürdigc,scholastische Sprache und Schlüsse an ihre Stellesetze und selbst Hellen Köpfen dadurch die reine An-sicht verwirre.Sie, und die französische Revo-lution ," sagte er oft,werfen uns um hundertIassre zurück."