Reise nach Frankreich von 1769 bis 1770.
Stand Wissenschaften genug. Man erwarte vonHerder, daß er an Orten, wo keine EvangelischeKirche sey, predige, die philosophischen Lektionen,die der Prinz etwa noch Horen könnte, mit ihmwiederhole, lateinische Autoren mit ihm lese, undseinen deutschen Styl bilde. Dafür verspreche ihmder Vater freie Station, 3 »c> Rthlr. HamburgerEurant jährlichen Gehalt und nach 3 Jahren, An-wartschaft auf eine Prediger - oder Professor-Stellezu Kiel." Dabcy rieth ihm Rcsewitz vertraulich,aus eigener Erfahrung, statt der angebotenen 3 oosogleich 400 Neichslhaler — und Fortsetzung dieses Ge-halts , bis ec spater eine jener Stellen wirklich er-halten habe, zu fordern; auch Hoffnung auf einGeschenk für die Ausrüstung zur Reise dabey zuäußern. Herder folgte diesem freundschaftlichen Wink,und erhielt vom Herzog alle gemachten Bedingungenin einer schriftlichen Zusicherung bewilligt. Für dieKosten der Reise nach Eutin wurden ihm iooRthlr. ausgcsetzt; auch versprach ihm der Fürst,einem nach 3 Jahren an ihn erfolgenden Rufenach Riga nicht im Wege seyn, und ihn auch inPetersburg empfehlen zu wollen. Er hat also, wieman hieraus deutlich sieht, auch bc» dieser gefaßtenEntschließung, den Ruf anzunchmen, dennoch seineLicblingswünsche im Auge behalten und den Pflich-ten gegen seine Rigaer Freunde so viel möglich Ge-nüge gcthan.
Scho» im December 1769 reiste er von Parisab; nachdem er noch von dortaus an Hartknoch,die so wahren Worte geschrieben hatte: ,,Wie an-ders lernt man die Welt kennen, je weiter manHerders W. Phil. u. Gesch. XVt. F Ilercl. I-cLen.