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Zur Philosophie und Geschichte Theil 16 (1822) Herders Leben
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Herders Leben.

in sie tritt. Jeder Schritt ist Erfahrung, und jedeErfahrung bildet. Die Sachen der Menschen gehenwahrlich so bunt durcheinander, daß manchmal me-thaphysifche Tröstungen gerufen werden müssen, umuns zu sagen: daß Alles gut sey. Meinen Cha-rakter zu bilden, ist mein Werk auf der Reise,alles übrige, sehe ich, kann man zurücklaffcn, nurden nimmt man mit! und verliere ich den, sohabe ich alles verloren!"

Um Weihnachten traf er in Brüssel ein,sah dort und in Antwerpen alles Sehenswürdi-ge der niederländischen Kunst und gicng von da,aus einem Schiff nach Amsterdam. Wahrendder Ueberfahrt entstand ein heftiger Sturm, dasSchiff stieß auf eine Sandbank chnweit der Gegendvom Haag. Man that Nochschüsse und steckte dieNothflagge auf; die ganze Nacht saß das Schiffauf der Sandbank, in beständiger Gefahr zu sin-ken. Nur erst Morgens kamen die Fischer von derKüste mit Booten zur Rettung. „Ja, das Gefühljener Nacht ist noch in mir," sagt er (B. 24.pag. 17.) „wo ich auf scheiterndem Schiff, das keinSturm und keine Fluth mehr bewegte, mit Meerbespühlt und mit Mitternachts-Wind umschaucrt,Fingal las — und Morgen hoffte!" Unter hefti-gem Regen und schäumenden Mcercswellcn, kamer und feine Gefährten endlich ans Ufer, und sahenvon da aus, nachdem alles gerettet war, das Schiffversinken. Mit lebendigem Gefühl des Dankes ge-gen die Vorsehung wendete er sich von jenem er-schütternden Anblick, und erzählte in der Folge oftseiner theilnehmend auf ihn horchenden Familie, dieschauerliche Geschichte dieser gefahrvollen Nacht.