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Herders Leben
Riga's gefällige Bewohner suchten ihm alsFreund und Lehrer ihrer Kinder, als treuer Theil-nchmer ihres moralischen und häuslichen Wohlstan-des, das Leben angenehm zu machen, und in niegetrübten Verhältnissen genoß er vier und ein hal-bes Jahr hindurch dieses bencidenswertbc Glück.Hier fand Herder noch die schönen Reste jenes han-seatischen Gememgeistes (voimrron spiirit der Eng-länder) der seine Grundsätze über bürgerliche uadStaaksvcrhältnisse noch mehr befestigte. Die Han-dclswelt, wie, sie damals noch in Riga, mit un-beengter Freiheit und mit einer gewiss,n Liberalitätihre Geschäfte betreiben konnte, mu,te seine Lebens-Anstchtcn erweitern, seine Ideen über bürgerlicheFreiheit und über das wohlthalige Wirken dafürerhöben. Unter Kausleuten fand der Fremde hur
seinen ersten Eintritt in die Gesellschaft, und unterihnen seine ersten Freunde.
Dort fand er ausser Hartknocb, den nach-hcrigen Bürgermeister Karl Wilpert, die Brü-der Berens, die Familien Schwarz, Grave,Zuckerbecker, Busch ic. als thatige Freunde,in deren Umgang er manche fröhliche Abendstundezubrachte. In diesen Hausern gewann er das Ri-gassche Familien - Leben lieb ; wo damals ein männ-lich freier Geist, mit .Offenheit und Eutmütbig-keit verbunden, herrschte und nach vielen Jahrenschrieb er einem dorthin berufenen Rektor hierüberfolgende Worte: „Der Umgang in Riga ist leichtund gefällig; der Kaufmann gibt den Ton an undder Gelehrte bequcmt sich dem Kaufmann. Die
Jugend ist milden Temperaments, faßt leicht, ver-