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Zur Philosophie und Geschichte Theil 16 (1822) Herders Leben
Entstehung
Seite
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H e r d e r s L e b c n

lesungen, demselben nachher mitgecheilt, und sosehr seine Achtung genoßen, daß ihm Kant mehrereseiner Arbeiten im Manuscript anvcrtraut habe, uinseine Meinung darüber zu vernehmen. Am liebstenhabe er ihn über Astronomie, physische Geographieund über die großen Gesetze der Natur reden hören:da seye sein Vortrag vortrefflich gewesen. An seinerMetaphysik hingegen, die er richtiger gefaßt zu ha-ben glaube, als seine spatere Schule, und die Kantdamals noch mit aller Jugend-Beredsamkeit, ineiner viel bclleren Sprache, als der spatern schola-stischen Kunstsprache, vorkrug; habe er wenigerGeschmack finden können, und seye nach manchermetaphysischen Vorlesung, mit einem Dichter odermit Rousseau ins Freie hinaus geeilt, um jenerEindrücke wiederum los zu werden, die seinem Ge-müth nicht zugesagt hätten."

Für Kants Persönlichkeit hegte Herder jederzeitdie größte Hochachtung und bezeugte mündlich undschriftlich seine hohe Dankbarkeit gegen seinen vorma-ligen Lehrer. Aber er verbarg ihm auch seine eigene,oft sehr von ihm abweichende Art zu denken nie;er wollte und konnte sein blinder Nachbeter nichtseyn und werden! Eine eigentliche Sympathie konn-te daher auch zwischen beyden Gcmüthern niemalsentstehen.

Einen der merkwürdigsten Jugendfreunde Her-ders, mit dem er am meisten sympalhisirle, undden er, wie er selbst erzählt, im Beichtstuhl zu-erst sah, wahrscheinlich aber im Kanterischen Hausegenauer kennen lernte: war Johann Georg Ha-