in Königsberg von 1762 bis 1764. 33
jedes Wort des großen Philosophen auf und ordnetezn Hause Gedanken und Ausdruck. Dft theilte ermir diese seine Nachschrift mit und wir besprachenuns darüber in einer abgelegenen Sommerlaube ei-nes wenig besuchten öffentlichen Gartens, an derAlt - Roßqartischen Kirche. Einst in einer heiterenFrühstunde, wo Kant mit vorzüglicher Geisteserhc-bung, und wenn die Materie die Hand bot, wohlgar mit poetischer Begeisterung zu sprechen, undans seinen Lieblingcdichtcrn Pope und HallerStellen anzuführcn pflegte, war es- wo der geist-volle Mann sich über Zeit und Ewigkeit mit seinenkühnen Hypothesen ergoß. Herder wurde sichcbarlichund so mächtig davon ergriffen, daß, als er nachHause kam, er die Ideen seines Lehrers in Versekleidete, die Hallern Ehre gemacht halten. Kant,dem er sie am folgenden Morgen vor Eröffnung derStunde überreichte, war eben so betroffen von dermeisterhaften poetischen Darstellung seiner Gedanken,und las sie mit lobpreißendcm Feuer im Auditoriumvor." Dieses Gedicht hat sich unter dem Herder-schen Nachlaß nicht gesunden und ist vielleicht unterden Kanlischen Papieren zu entdecken —> auch ohneZweifel das nemliche, dessen Kant in einem Briefan Herder gedenkt und worauf dieser in seiner Ant-wort cl. cl. Niger 0767 sagt: „Lassen Sie doch dasdunkle raue Gedicht, an das Sie gedenken, inseiner Nacht umkommen." *) Herder selbst erzählteoft: „er habe zuweilen seine Ideen-über KantS Vor-
*) Der Brief ist in den Erinnerungen, LH. II.246 abgedruckt.
Herders W, z. Phil. u. Gesch. XVI. E