in Königsberg von 1762 bis 1764. 29
Ein gräflich dohnaisches Stipendium, dosHerder als ein gcbohrner Mohrunger von Ostern 176)nn genoß, und obige Anstellung um Fciedcrichs-Eollegium hotten ihm einige Erleichterung in seinerökonomischen Lage gewahrt; und so sehr ihn dasUnterrichtgcbcn an seinen eigenen Studien ver-hindern mochte, so verkannte er doch die Nor-theile des Selbst-Lehrens nie, und hielt de» Wir-kungskreis eines Lehrers über alles hoch, würdigund folgenreich.
Wahrend eines bevnahe zwevjahrigen Aufent-halts zu Königsberg genoß Herder allgemeine Liebeund Achtung. Mehrere angesehene und gebildete Fa-milien zogen ihn in ihre Gesellschaften, und dieseehrenvolle Auszeichnung mußte auf denMohrungischenscheuen Jüngling sehr vortbeilhast würken. Treschoschreibt hierüber: „Im Jabr 176g besuchte ich Kö-
nigsberg, uns Herder eilte mir froh entgegen. Welchein ganz anderer Jüngling! — Nur wenig Spurenvon Scheu und Blodigkeit im Sprechen. Von seinemFleiß und guten Sitten erhielt ich die rühmlichstenZeugnisse. Umgang mit feinern Menschen hatte mildund wohltbatig auf ibn gewirkt, daß er für diegroße Welt gemacht da stand. Auch die höfische,hochverfcinke, sreimüthlg unbefangene, in Blick undSprache ungenirte Lebens-Manier stand ihm spaterzu Gebot, wenn Ort und Umstande sie erforderten. —Aber dieß junge Genie erhielt gleich bevnahe zu vieleBewunderer und Schmeichler; und Dank sey seinerFestigkeit, daß er nicht dadurch verdorben ward." —
Aber auch jugendliche Freundschasks-'Verbin-dungen von gleichem Alter waren ihm hier zum