»4 Herders Leben.
laut und er blieb tief in sich verschlossen. Nie spracher von selbst und cs war ihm nichts zu entlocken,woraus ich ihn für etwas mehr, als einganz gewöhnliches Geschöpf hatte hal-ten können. Daher, und wegen derArmuth seiner Eltern, habe er den Sohnvon seiner leidenschaftlichen Neigungzum Studieren abzubringen und ihn zuErlernung eines Handwerks zu bestim-men gesucht." — Dazu hatte jedoch Herderdurchaus keine Neigung und kein Geschick — undgedachte in spater» Jahren öfter mit Unmuth derunfreundlichen Behandlung Trescho's und derHindernisse, welche dieser seinem Hang zum Stu-dieren entgegen gesetzt hatte; aber er vergab ihmbald wieder und sein Dankgefühl für den ge-statteten Gebrauch seiner Bibliothek gewann immerdie Oberhand: denn hier lernte er seinen unver-
geßlichen Dichter Kleist, mehrere altere deutscheDichter und seinen Landsmann Simon Dach,den er so hoch hielt, zuerst kennen. Nach allenSpuren war seine Dienstzeit Key Trescho — dieniederschlagendste Periode seines Jugend-Lebens.
Sein heißer Durst nach Erweiterung seiner Kennt-nisse ließ sich jedoch durch keine Schwierigkeit unter-drücken und manche nächtliche Stunde opferte er derBefriedigung seiner Wißbegierde. „An einem Abend"erzählt Trescho in seinen Fragmenten zur Ju-gendgeschichte des Herrn Präsidentenvon Herder, welche er der Wittwe im Jahr1804 übersandte — „da Herder mit brennendemLicht in seine Schlafkammer gegangen war, em-