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Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
Seite
422
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H22 IV. Schönheit als Symbol

Des leeren, muthwilligen Spieles sntt, wünscht Je-dermann Ernst dem langweiligen Spiele. Der nai-ven Muse können wir nicht entbehren, so lange wirNatur und offne Unschuld auch nur in Resten lieben;sie ist nicht ausgestorben, so lange dem Menschenge-schlecht die Kindheit grünet, dieJugcnd blühet. Stattabgelebter steifer Formen lasset uns mit Kunstsinn undKunstfleiß die Natur sprechen, die aus Theokritsund Aesops, aus Jbykus und Bacchylides Mundejetzt sprechen würde, nach unsrer Zeiten Empfin-dung. In allen Standen leben Naturmenschen; laßtihre Stimmen erschallen, laßt ihre Seufzer ertönen.Die naive Muse darf sprechen, was außer ihr nie-mand spricht.

9. Die Muse des Sentiments nicht minder.Vorüber mögen die Zeiten seyn, da man unter die-sem Wort gaukelnden Witz verstand oder kranke Ge-fühle. Triebe der Wohlanstandigkeit und Milde,Regungen der Ehre und Liebe fodcrt unsre Zeit, wiesie Horaz und Pindgr, Terenz und Menander jetztsingen würden. Reizender ist nichts als die Muse dessittlichen, des häuslichen Umgangs; und was bedarfin unsrer Zeit mehr der Erweckung als der entschlafneTrieb der Ehre? was bedarf einer sittlichen Rich-tung mehr als der verwilderte Trieb der Liebe?So manches hat die Poesie, so manches die Kunstzu vergüten, was sie hier Übels gestiftet, und womitsie sich selbst geschadet haben. Ernste Zeiten rufenvon Bulereyen zurück; sie fodern eine frische, einezu Anstrengungen und Entbehrungen gebildete Jugend;und was bildet inniger den Charakter als bei Vorbil-dern und Beispielen die Stimme der Muse? AusEuren Gräbern tönt hervor, ihr Gesänge edlerer