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Zur Philosophie und Geschichte Theil 15 (1820) Kalligone
Entstehung
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der Sittlichkeit betreichtet. 419

diese Wohlordnung, diesen Reiz, erhaben über niedrigeReize, empfinde ich edler, d. i. sympathetisch,ihr gleich zu denken, ihr gleich zu handeln. Nichtin Andern, im unbekannten Fremden nicht, in Ihr,der Schönheit, als ob sie Alles wäre, wohnt desAnschaucnden Seele.

3 . In jeder Kunst zeigt diese sittli-che Grazie sich auf eigne Weise. In denheiligen Formen der Plastik am völligsten; sodannin Gemälden, die ihr als Ausdruck reinmcnschlicherEmpfindungen nahe kommen und im Zauber der Far-ben gar vorangehn. Gicbt es eine sittlichere Grazieals im Gemälde der mütterlichen Liebe, ver-schmolzen mit jungfräulicher Unschuld?So in den Spielen der Kinder, in Lusiübungcn derJugend, in frohen Thaten des Mannes, in der ru-higen Betrachtung des Greises. Die heilige Andachtendlich hebt das Eemüth zu einer Hohe empor, in dersich die Grazie in den Demuthsvollen Engel verlieret.

4. Da große (Kompositionen eine Abstufung derSitten und Charaktere fodern, so muß in ihnen dieEthopöie jeder Gestalt ihr Maas derSittlichkeit zu wägen. Dieß um so mehr inder Dichtkunst, da Worte, gleichsam mit zurückge-lassenem Symbol, als unmittelbare Eingebungen somächtig wirken. Unsittliche Gemälde der Dichter re-gen tiefer und daurendcr auf als unzüchtige Farbcn-gemälde. Dieser wird das Auge satt, vielleicht wa-ren sic ihm schon im ersten Moment ekel; daß Ge-mälde des Dichters zeigt und verhüllet; es reizt undlockt, indem es innig-progressiv wirket. Der Ein-bildungskraft hält eS verstohlen ein Unendliches vor;ein Zauberbild in den Lüften. Selbst aus Liebe >zu

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