40/,. III. Von schönen Wissenschaften
sie jetzt für eine Welt der Leser aufs viclartigste an-wenden? So zeigte das Prisma die Farbcnleiter u.ft Wer darf irgend einer Reihe von Kenntnissen, dienoch nicht Wissenschaft worden ist, die Hoffnung rau-ben, daß sie ihr Clavichord, ihr Alphabet, ihren Eal-cul, ihr Prisma finde? Eine Wissenschaft dahin dc-duciren, daß man sic von Begriff und Zweck ent-fernt, mithin ihr Grund und Absicht raubt, damitsie ein seichter, unbestimmt-platter Gemeinsinn wer-de, heißt sic aus dem Lande des Wissens verbannen.Und wer sie bei dieser Nichtwiffenschaft zur Allge-mein - Mittheilerin macht , ja auf dies Allgemein-Mittheilen ihr Wesen, ihre Kunst setzt, was hat eranders als eine K r a henkunsk errichtet?
Eben das was bildet, sollte Wissenschaftlos seyn?und sollte bilden, ohne daß man wüßte? Aristo-teles, Shaftesburi, Winkelmann, Les-sing n. f. dachten nicht also; auf eine Wissen-schaft des Schönen arbeiteten sie; und wer freuet,sich nicht ihrer Principien, an denen er mit gewon-nener Ueberzeugung sich selbst bildet? Auf eine ma-thematische Methode, die in der Mathematik selbstnicht allenthalben auf gleiche Art angewandt wird,kommt es hier nicht an; jede Wissenschaft hat, wieihren Gegenstand, so auch ihre Methode; überzeugtsie, aus Gründen, und erprobt sich; so hat sie ih-ren Zweck erreichet.
Künste bilden durch Können, d. i. durch daswas sie als Wirkung oder als Werk leisten. Sie
bildeten den Künstler durch alles, was in ihm vor-gieng, ehe er sein Werk zu Stande bringen konnte;sie bilden andre, die mit Verstand und Genuß anseinem Werk Theil nehmen; der Unverständige, be-