III. Aon schönen Wissenschaften
HNO
erreichbar-Schönen, des Großen, Guten und Edeln.Zweck und Regel, That und Vorbild treten unsin ihr auf einmal einladend, auffordcrnd, als Ideeund als Muster, zum Erlangen, zum Nacheifern,zum Uebcrtreffcn vor Äugen; unsre Gedanken undEntschlüsse, Anschläge, Handlungen, unsre ganzeLebensweise richtet und bildet sich unvermerkt odermühsam, aber desto mächtiger nach ihr; so wirdder moralische, der praktische Mensch gebildet. Al-lenthalben liegt eine W ohlge sta lt cderAnmutb,ein Wohlstand oder Wohlanftand dem be-gehrenden , strebenden, thatigcn Eemüth im Grunde.
Daß hier der Mensch, zu würdigen Zweckenauf richtigen Wegen, in der Gestalt des Reizendenund Schönen nur das Wahre und Gute anstrebe,liebe und wähle, daß er durch kein Hinderniß abge-schreckt , durch jede Schwierigkeit angeftuert werde,seine Idee immer reiner zu suchen, brünstiger zuverfolgen, ganz zu vollenden; dieß ist die bildendeKunst des Lebens. Wer nie weiß was er willoder auf gemeine, Nutzlos, sogar schlechte Zweckehinausgcht; wer nie weiß, wie er zu etwas gelange,sondern stets versucht, und nimmer erprobt bat, wenVerstand-und Herzlos Lüste leiten oder Wahn, der istein Ungebildeter an Herz und Charakter. Dagegen, wersich bezwinget und taglieh mit sich kämpft, „wegzunch-men, was am Holz nicht seyn soll, und dadurch die Formdes Bildes fördert," (wie Luther sagt) der ist Pygmalionseiner selbst; nach der Idee des Schönen und Hohen,die ihn belebet. Wie viel ungeschickte, unziemcndeFormen allen Standen unter uns, aus schlechten Mu-stern, aus halben Begriffen, aus unreifen Hebungenvorschwebcn, wie viel andre ohne alle Bildung ihrer
selbst