33o H. Vom Ideal
dern zwischen beiden die Grenze sucht und sic kaumfindet.
3. Auch der idealische Künstler idealisirt nichta ll c ntb a I b e n; in einem Werk von großer Zu-sammenfassung müssen diese und jene Wesen nurideisirt seyn, um jenen höher und höher - Jdeali-schen zu dienen. So bey Homer und Raphael; beiPolyqnots großen Eompdsicioncn wars gewiß nichtMinder.
4 . Da die Menschennatur die Idecnvollste Form
ist und Formen die Wesenhaftigkeit aufs gewissesteausdrücken: so konnte nur in ihnen das Ideal der
menschlichen Schönheit bleibend dargestcllt werden.Farben verwittern, Töne verhallen, Worte verfliegenoder werden in andern Zeiten anders verstanden;Formen bleiben mit unwidersprechlicher, unaustilgba-rer Bedeutung. Die griechische Kunst macht unscrminnern Sinn Homer und die Griechen erst verständlich.
5. An griechischen Göttern allein konnte dasIdeal der menschlichen Natur in Formen erfundenund festgcstellt werden: denn das Göttliche und Gott-ähnliche war den Griechen nur die reinere Mensch-heit. In Göttern ward diese also mit höchstem Fleiß«usgcbildet, mit Begeisterung verehrt, mir Eifer er-halten. Unglücklich, wer in dem sogenannten hei-ligen Stpl nur Reste der alten hölzernen Formsichet, da eben dieser Styl eben den festen Punktdes Unterschiedes und Vorzugs unsrer Gattung scharfbezeichnet. Was Menschen zu Göttern macht, sagendiese Formen.
6 . Kein andres Volk, wenn es auch Jahrtau-sende lang diese Künste trieb, ist zum Ideal der Grie-chen, als einem vom Genie und dem Verstände er-